Foto: Landsec/©Bennett Associates | Stora Enso partner: Hybrid Structures
97% der Projektentwickler und Bauträger erachten das Erreichen von Netto-Null-Emissionen als wirtschaftlich entscheidend für ihr Geschäft, besagt ein aktueller Bericht von HSBC. 39% verwenden dabei mehr als 10% ihres Investitionsvolumens für Sanierungen. Die Auswirkungen dieser Entwicklung ziehen dabei immer größere Kreise.
Bei Stora Enso verzeichnen wir ebenfalls immer mehr Projekte, die sich teils spektakulären und prestigeträchtigen Renovierungen widmen – mitten im Zentrum europäischer Metropolen wie London oder Paris. Zum Einsatz kommen die unterschiedlichsten Holzprodukte und stellen damit unter Beweis, dass sich das Baumaterial der Zukunft auch für diesen Bereich ideal eignet.
Renovierungen 2.0
Zahlreiche Investitionen und politische Entscheidungen zugunsten höherer Ressourceneffizienz haben dazu beigetragen, den Einsatz von Holz insbesondere bei Renovierungen zu stärken. Die kürzlich in Kraft getretene EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden zielt speziell auf tiefgreifende Renovierungen und Sanierungen ab, durch die sich die Energieeffizienz der Gebäude erheblich steigern lässt.
Durch die Richtlinie soll die Sanierung von 35 Millionen „Gebäudeeinheiten“ bis 2030 vorangetrieben werden. Sie verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten unter anderem dazu, nationale Pläne für Gebäuderenovierungen aufzustellen, die sich in drei Bereiche gliedern und den verstärkten Einsatz von Holz und anderen biobasierten Materialien fördern dürften:
1) Verringerung der gebundenen („grauen“) und operativen Emissionen, 2) vermehrten Einsatz von CO₂-speichernden Materialien in Gebäuden sowie 3) die Förderung von modularen und industrialisierten Lösungen für den Bau und die Renovierung von Gebäuden.
Bislang ist Deutschland mit einer Vielzahl von Maßnahmen und Initiativen führend bei der Bausanierung, und auch der erfolgreiche niederländische Ansatz wird häufig zum Vorbild genommen (Global Retrofit Index). Insgesamt werden jedoch Hunderte von Milliarden Euro mehr benötigt, um den zu 75 % bisher energieineffizienten Gebäudebestand in Europa zu sanieren (EUA).
Langfristige Investitionen
Auch wenn Sanierungen häufig aus der Notwendigkeit heraus stattfinden, passiert dies nicht ausschließlich deshalb. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2050 wahrscheinlich noch 85% der heutigen Gebäude genutzt (EUA). Grundsanierungen senken dabei nicht nur die Energie- und Instandhaltungskosten, sondern wirken sich zudem positiv auf den Wert des Gebäudes sowie die Gesundheit aus und sorgen gleichzeitig auch noch für eine längere Nutzungsdauer und modernen Komfort. Von diesen Investitionen profitieren aber dann nicht nur die Menschen, die in diesen Gebäuden leben, sondern auch unser Planet (LETI, Großbritannien führt hier).
Lohnt sich oft: Sanierung der bestehenden Bausubstanz
Renovierungen, die das gesamte Gebäude umfassen und bei der bestehenden Struktur ansetzen, werden zudem stark gefördert. Der Preis mag vielleicht zunächst abschrecken, doch die Investitionskosten können über mehrere Jahre verteilt werden. Die Verwendung moderner Holzprodukte bei der Sanierung ist ebenfalls sinnvoll und wird in der Branche aus vielen Gründen zunehmend zur bewährten Praxis (RIBA). So lässt sich die erforderliche Dämmung zum Beispiel aufgrund des günstigen U-Werts von Holz unmittelbar reduzieren. Zudem ist die Luftdichtheit bei gleichzeitiger Vermeidung von Wärmeverlusten an den Verbindungsstellen ist hervorragend (LETI).
Adaptive Umnutzung
Holz kann außerdem im Rahmen adaptiver Umnutzungsprojekte verwendet werden, um eine Gebäudehülle oder ein Dach zu gestalten, Fenster- und Türelemente oder Verkleidungen zu ersetzen oder Bodenbalken und Ausfachungen einzusetzen. Mit Massivholzprodukten lassen sich so auch bei gewerblichen Projekten emissionsintensiver Beton und Stahl im großen Maßstab reduzieren. Zu den eindrucksvollsten Beispielen im Jahr 2024 gehört mit Sicherheit das über 34.000 m² große Timber Square-Büro in London, bei dem über 7.499 Tonnen CO₂-Emissionen bereits vor Baubeginn vermieden wurden, indem statt Beton und Stahl einfach Brettsperrholz (CLT) verwendet wurde (SLU).
Foto: Landsec/©Bennett Associates | Stora Enso partner: Hybrid Structures
Zusätzlich konnten noch 7.000 Tonnen CO₂-Emissionen gespart werden, indem 80% der bestehenden Bausubstanz erhalten wurde, wie aus Schätzungen des größten britischen Bauträgers für Gewerbeimmobilien – Landsec – hervorgeht (UKGBC).
Die zusätzlich installierten 6.561 m³ Sylva™ CLT Wand- und Deckenelemente reduzierten den -Fußabdruck weiter und machten es durch die erhebliche Menge gespeichertem Kohlendioxid zu einem der bisher umweltverträglichsten kommerziellen Projekte in ganz Großbritannien. Für die Verbindung von alt und neu zeichnete Stora Enso Partner Hybrid Structures verantwortlich, der sich auf den Bau mit unterschiedlichen Materialien und deren Kombinationen spezialisiert hat.
Das für das gesamte Projekt gebundene CO₂ liegt für beide Türme mit 248 kg CO₂e/m² nur knapp über dem von LETI formulierten Zielwert für dieses Bauvorhaben. Wäre auch die CO₂-Speicherung in den Holzelementen in die Berechnung miteinbezogen worden, wäre dieses Ziel sogar übertroffen worden.
Aufrüsten mit dem Sylva™ Bausatz
Abreißen und neu aufbauen ist selten die beste Sanierungsoption, aber wenn es doch notwendig ist, dann sind Holzwerkstoffe mit hervorragenden EPD-Bewertungen die einzige Möglichkeit für ArchitektInnen, beim Wiederaufbau die ehrgeizigen Emissionsziele zu erreichen. So geschehen ist das etwa beim Joint Venture von Bywater für die Entwicklung neuer Büros in der Londoner Old Paradise Street 30–34.
Foto: ©Bywater | Stora Enso partner: B&K Structures
Kosten einsparen als Domino-Effekt
Sanierungen mit Holz haben eine Reihe von praktischen und kostensparenden Zusatzeffekten, da Holz sich schnell und leise verarbeiten lässt. Wände können bereits mit Holzrahmenfassaden, Isolierung, feuerfester Verkleidung und Schutz vor Nässe und Feuchtigkeit vorgefertigt werden, wie kürzlich beim Projekt Croix Saint Simon, ein soziales Wohnbauprojekt in Paris des Stora Enso Partners ACDF Industrie in Paris, eindrücklich gezeigt wurde. Die Installation von ACDF (Aux Charpentiers de France) ermöglichte es den BewohnerInnen, während der Renovierungsarbeiten in ihren Wohnungen zu bleiben und so außerdem die Kosten für eine sonst vorübergehend notwendige, anderweitige Unterbringung einzusparen.
Die Vorfertigung wurde auch von den Arbeitenden auf der Baustelle geschätzt, da sie weniger Mühe mit der manuellen Anbringung der Verkleidung vor Ort hatten. Zudem entfiel die undankbare Bauschuttentsorgung, da der Großteil dieser Arbeit bereits vor der Auslieferung im Werk automatisiert erfolgt war.
Weiterbetrieb trotz Baustelle
Die wesentlich kürzeren Bauzeiten bringen noch weitere positive Nebeneffekte mit sich. Das Technische Museum in Stockholm blieb zum Beispiel uneingeschränkt für BesucherInnen geöffnet, während die architektonisch viel beachtete Erweiterung Wisdome Gestalt annahm. Auch die Geschäfte in den unteren Etagen des Marcadet Belvédère in Paris laufen derzeit weiter, während oben um weitere Etagen aufgestockt wird. Das Ärgernis monatelanger, manchmal jahrelang anhaltender lauter und schmutziger Bauarbeiten scheint – zumindest mit Holz – der Vergangenheit anzugehören.
Holzwerkstoffe vereinfachen auch die sonst so schwer zu planenden Renovierungsarbeiten. Arding & Hobbs machten mehrere Entdeckungen von großem kulturellen Wert, darunter ein Tonnendach aus Buntglas. Das ist zwar faszinierend, führte aber zu Verzögerungen auf der Baustelle, da ein Team aus SpezialistInnen es mithilfe von Zahnbürsten (ja, Zahnbürsten!) restaurieren musste. Durch den Einsatz von maßgefertigten Sylva™ CLT Wänden und -Decken verlief die Aufstockung (Optoppen) dennoch zeitlich und kostenmäßig nach Plan.
Wirtschaftlich sinnvoll
Die Eigentümer von Arding & Hobbs, die W. Real Estate (W.RE), hatten sich bereits vor der Fertigstellung MieterInnen gesichert. Damit war das Projekt von Anfang an rentabel, was bei kapitalintensiven Projekten dieser Größenordnung von entscheidender Bedeutung ist.
Nichtsdestotrotz sind NutzerInnen heute mit Themen wie gebundenem und operativem CO₂ sowie der Kreislauffähigkeit gut vertraut und somit auch bereit, dafür einen Aufpreis zu bezahlen – wie uns unsere Partner als auch die Forschung immer wieder bestätigen (Cromwell Property). Daher bleibt nur mehr folgendes zu sagen: Bleiben Sie dran – es wird noch jede Menge Golden Oldies zu sanieren geben – und dann gibt es natürlich nur ein Baumaterial: Holz.