Photo: MAX Holzbau
Die Mission? Kohlenstoffspeichernde Baumaterialien realen Härtetests unterziehen — Kosteneinsparungen, strenge Regulatorien bei gleichzeitig wachsender Nachfrage nach automatisierten Bauprozessen.
Das Vorhaben entstand als Antwort auf die Klimakrise sowie die dringende Notwendigkeit, die Baubranche zu transformieren. Da rund 60% des gesamten Rohstoffverbrauchs und 40 % aller Treibhausgasemissionen in Berlin auf den Bausektor entfallen, war der Stadt klar, dass selbst energieeffiziente Gebäude den Klimaanforderungen nicht gerecht werden, wenn die Entstehung ihrer Materialien große Mengen an Kohlenstoff verursacht. Mit dem Projekt „Holz Ziegel Lehm“ soll die Art und Weise, wie Berlin baut, neu gedacht werden. (Quelle)
Praxisnahe Forschung
Das Projekt ist Teil einer breiteren Forschungsinitiative, die vom Innovationsfonds gefördert und von der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt unterstützt wird. Es umfasst zwei Teilprojekte, die darauf abzielen, nachhaltige Baumethoden im öffentlichen Wohnbau zu testen und zu vergleichen.
Eine Geschichte aus zwei Gebäuden
Teilprojekt A ist ein Bauvorhaben am Standort Alt-Britz 107. Hier wurden zwei freistehende Wohngebäude mit Giebeldächern auf einem gemeinsamen Grundstück errichtet. Beide Gebäude verfügen über fünf Stockwerke und haben kein Kellergeschoss.
Darin befinden sich jeweils 36 subventionierte Mietwohnungen mit identischem Grundriss und gleicher Größe. Worin sich die beiden Gebäude jedoch unterscheiden, ist die Bauweise und das Material: Während ein Gebäude als Holzskelettkonstruktion aus Massivholz errichtet wird, handelt es sich bei dem anderen um ein monolithisches Backsteingebäude. In beiden Objekten wurde Lehmputz für den Innenausbau verwendet, wodurch Klimaanlagen im Wesentlichen überflüssig sind.
Beide Designs legen Wert auf Einfachheit, Langlebigkeit und Robustheit und verwenden diffusionsoffene Materialien, um den Bedarf an mechanischer Belüftung oder Klimaanlagen zu eliminieren.
Beide Gebäude werden von der TU Berlin, der Universität Stuttgart und der TU Braunschweig wissenschaftlich überwacht, um ihre Leistung langfristig zu bewerten. Dieses Pilotprojekt dient als Vergleichsstudie, in der sowohl der CO₂-Fußabdruck als auch die betriebliche Energieeffizienz beider Bauweisen bewertet werden, um evidenzbasierte Daten zu gewinnen.
Teilprojekt B ist ein Bauvorhaben in den Buckower Feldern (Haus 5, Baufeld VIII, Berlin-Neukölln), das auf dem Typenhaus-Plus-Modell aufbaut und dieses zu einem Standard für nachhaltiges Wohnen macht. Das Gebäude optimiert die Verwendung von Holz sowohl in der Struktur als auch im Innenausbau und integriert dabei auch recycelte Materialien wie wiederaufbereiteten Beton.
Was es für Bauunternehmen und Entwickler interessant macht
Das Herzstück des Massivholzgebäudes besteht aus Brettsperrholz (CLT) von Stora Enso, als Sylva™ Bausatz geliefert. Diese präzisionsgefertigten Komponenten wurden im Werk von MAX Holzbau vorgefertigt, und die Ergebnisse sind beeindruckend:
– Geschwindigkeit trifft auf Nachhaltigkeit: Sylva CLT Wände und Decken ermöglichen eine schnelle Montage und minimieren Abfälle auf der Baustelle
– Präzise Vorfertigung: Die nach strengen Standards gefertigten Sylva Elemente verringern die Fehlertoleranz und vereinfachen die Koordination
– Leistung, die jedem Druck standhält: Das Projekt hat gezeigt, wie Massivholz den strengen Anforderungen des öffentlichen Wohnbaus gerecht werden kann – und zwar in jeglicher Hinsicht: Kosteneffizienz, Langlebigkeit und bei der Einhaltung von Brand- und Schallschutzvorschriften.
Ein echtes Reallabor
Bei diesem Projekt geht es nicht nur um Wohnbauentwicklungen — es ist eine lebende Forschungsplattform. Der Leistungsvergleich zwischen Holz- und Ziegelsteingebäuden über einen langen Zeitraum ermöglicht die Sammlung wertvoller Daten zu Energieeffizienz, Innenraumklima und Nutzerzufriedenheit.
Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Stora Enso’s Sylva™ Bausatz nicht nur konkurrenzfähig ist, sondern sogar neue Maßstäbe für nachhaltiges Bauen setzt.
CO₂ Fußabdruck
Die Herstellung des Sylva Bausatzes erzeugte lediglich 24 TonnenCO₂ (Treibhausgasemissionen). Verglichen mit den 341 Tonnen Kohlendioxid, die die Bäume während ihres Wachstums gebunden haben und die in Alt-Britz 107 für Generationen gespeichert werden, macht diese Menge nur einen kleinen Bruchteil aus.
Die Wahl von Sylva CLT Elementen anstatt nicht-erneuerbarer Materialien hat also 511 Tonnen an Treibhausgasen bereits in der Entstehung verhindert. Quelle: CO₂-Rechner von Stora Enso (basierend auf durch Dritte verifizierte EPDs).
Herkunft des Holzes
Die Sylva™-Elemente wurden mit Holz aus PEFC-zertifizierten Wäldern hergestellt. So wird garantiert, dass das verwendete Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. PEFC ist eine der vertrauenswürdigsten und anerkanntesten Zertifizierungen, wenn es um nachhaltige Forstwirtschaft geht.
Skalieren und replizieren
Das Projekt beweist, dass CO₂-armes Bauen nicht nur möglich ist — es ist auch skalierbar. Durch die Verwendung von Materialien mit hoher Kohlenstoffspeicherkapazität wird erwartet, dass Massivholzgebäude CO₂-Emissionen erheblich reduzieren. Dank wissenschaftlicher Unterstützung und Praxistests unter realen Bedingungen stellt diese Initiative ein Vorzeigemodell für zukünftige Wohnprojekte in Berlin und darüber hinaus dar.
Laufzeit
01.01.2022 – 30.11.2024
Veröffentlichungen
Video zum Projekt „Holz Ziegel Lehm“ | Pilotprojekt Nachhaltiger Geschosswohnungsbau Berlin auf Vimeo (nur in DE verfügbar)
Berlin.de Zero Waste Wohnungsbau
Stadt und Land: Holz Ziegel Lehm - Baustart für den Nachhaltigkeitspiloten der STADT UND LAND in Alt-Britz | STADT UND LAND
Erfahren Sie mehr über evidenzbasierte Forschung mit Massivholz: Measuring Mass Timber - Built by Nature
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