Kritik am Forstzertifizierungssystem FSC in einer Fernsehdokumentation

Am 16.10.2018

Stellungnahme von Stora Enso

Am 16.10.2018 hat der deutsch-französische Fernsehsender arte einen Dokumentarfilm ausgestrahlt, in dem das Forstzertifizierungssystem FSC®* (Forest Stewardship Council) kritisiert wird. Um seine Thesen zu belegen, führt der Dokumentarfilm Beispiele aus verschiedenen Ländern an, darunter auch Veracel, ein brasilianisches Gemeinschaftsunternehmen mit 50 %iger Beteiligung von Stora Enso, das im Süden des Bundesstaats Bahía ein Zellstoffwerk und Eukalyptusplantagen betreibt. In dem Beitrag werden auch der schwedische FSC-Forstzertifizierungsstandard und Stora Ensos forstliche Arbeit in Schweden kritisiert.

Als ein Unternehmen, das sich für Offenheit, Transparenz und Dialog einsetzt, bedauern wir es, dass die Dokumentation Veracel keine Gelegenheit gab, seine Sicht der Dinge darzustellen. Die beteiligten Journalisten boten Veracel sehr kurzfristig einen Termin für ein Treffen an, an einem Tag, an dem die Manager von Veracel nicht verfügbar waren, und lehnten mehrere Versuche von Seiten Veracels ab, das Gespräch auf einen anderen Tag zu verschieben. So kam eine einseitige Dokumentation zustande, in der unsere Sicht der Dinge nicht zur Sprache kam.

Veracels Holzplantagen in Brasilien

Die Dokumentation stellt mehrere Behauptungen auf, wonach Eukalyptusplantagen negative Auswirkungen auf die örtliche Artenvielfalt sowie die Verfügbarkeit von Wasser haben und Veracel Menschen von ihrem Land vertreibe.

Wir stellen klar, daß alle Plantagen von Veracel auf degeneriertem ehemaligen Weideland angelegt wurden und in keinem Fall Regenwald gerodet wurde, um ihn in Eukalyptusplantagen umzuwandeln. Als Veracel 1991 mit Plantagenwirtschaft begann, waren vom ursprünglichen atlantischen Regenwald weniger als 7 Prozent übrig - eine Folge der intensiven Einschlags- und Rodungstätigkeit, mit der in den 60er und 80er Jahren Weideflächen geschaffen wurden. Seit der Anlegung der Plantagen arbeitet Veracel systematisch am Schutz und der Wiederherstellung der örtlichen Artenvielfalt.

Etwa die Hälfte von Veracels 213 500 Hektar Landbesitz ist der Erhaltung und Wiederherstellung von Regenwald gewidmet, und Veracel verfolgt das Ziel, jedes Jahr 400 Hektar Regenwaldflächen wiederaufzuforsten. Zwischen 1994 und Ende 2017 wurden insgesamt 6 495 Hektar Regenwald wiederhergestellt, was einer Fläche von mehr als 9 000 Fußballfeldern entspricht. Dieser bedeutende Beitrag Veracels zur Erhaltung des atlantischen Regenwalds mit seiner hohen Artenvielfalt wird sowohl von den brasilianischen Behörden als auch von internationalen Stakeholdern anerkannt. Im Internet finden Sie weitere Informationen über unsere Arbeit an der Renaturierung des Regenwalds und über die Rückkehr der bedrohten Jaguare in die Region Bahía.

Veracel überwacht kontinuierlich den Wasserhaushalt und die Wasserqualität seiner Eukalyptusplantagen und des umliegenden ursprünglichen atlantischen Regenwalds. Das Unternehmen leitet auch Wasserdaten an eine unabhängige Forschungseinrichtung weiter. Die Ergebnisse der Überwachung zeigen in Sachen Wassernutzung und Wasserqualität keine erheblichen Unterschiede zwischen den Plantagen und dem ursprünglichen atlantischen Regenwald.

Entgegen den Behauptungen im Film hat Veracel eine gute Beziehung zu den lokalen indigenen Gemeinden mit dem Ziel, den Dialog mit ihnen zu pflegen und zur Erhaltung der traditionellen Kultur beizutragen. Obwohl indigene Gemeinden Nachbarn der Plantagen von Veracel sind, ist festzuhalten, dass Veracel nicht innerhalb ihrer Gemeindegebiete Plantagen begründet.

Sämtliches Land von Veracel wurde rechtmäßig erworben. Alle Landkäufe wurden zwischen den beteiligten Parteien in gutem Glauben auf Basis fairer Marktpreise getätigt, alle fälligen Abgaben wurden entrichtet, und es ergaben sich während der Ankäufe keine strittigen Fragen.

Landbesetzungen von privatem Eigentum sind in Brasilien seit langem ein Problem, bei dem unterschiedliche Akteure involviert sind, die Landflächen nutzen, zum Beispiel Bergbau- und Landwirtschaftsunternehmen. Auch Bewegungen landloser Bauern haben illegal Ländereien von Veracel besetzt. Um nachhaltige örtliche Lösungen zu ermöglichen, strebt Veracel einen kontinuierlichen Dialog mit diesen Bewegungen an und unterstützt Zuweisungen von Land. Dazu gehört auch die Reservierung von 16 500 Hektar Land für Siedlungszwecke und die Gewährung von sozialer und wirtschaftlicher Unterstützung zum Beispiel für landwirtschaftliche Initiativen und Alphabetisierungskampagnen.

Diese Arbeit hat in der Region erhebliche positive Auswirkungen gehabt und zur Entschärfung von Konflikten beigetragen. Es finden weiterhin Landbesetzungen statt und Ende 2017 waren insgesamt 3 043 Hektar von Veracels produktivem Landbesitz illegal von Gruppen Landloser besetzt. Veracel versucht, dieses Land durch rechtliche Schritte wieder in seinen Besitz zu bekommen. Jede Räumung illegal besetzter Gebiete muss jedoch auf Gerichtsbeschlüssen basieren und darf nur von staatlichen Behörden durchgeführt werden. Veracel duldet in diesen Fällen keinerlei Form von Gewalt. Das Unternehmen verfolgt eine klare Anti-Gewalt-Politik, die es auch von seinen Geschäftspartnern erwartet.

Um den Lebensunterhalt der benachbarten Gemeinden zu unterstützen, macht Veracel einen Teil seines Landbesitzes landwirtschaftlichen Familienbetrieben zugänglich, denen es Schulungen und technische Unterstützung gewährt. Veracel ermöglicht außerdem lokalen Imkern, Bienenstöcke auf Unternehmensland aufzustellen, und schult sie in Imkereifragen. Weitere Informationen 

Forstwirtschaft in Schweden

In dem Dokumentarfilm wird behauptet, die FSC-Zertifizierung lasse nicht nachhaltige Kahlschläge und einen Rückgang der Artenvielfalt zu.

Stora Enso verfügt über bewährte forstliche Verfahren zum Schutz der Artenvielfalt in Wäldern. Wir ernten nur Holz aus Wäldern, in denen eine professionelle Einschätzung ihres Schutzwerts vorgenommen wurde. Falls bezüglich des Schutzwerts Unsicherheit besteht, wird stets die schwedische Forstbehörde eingeschaltet, bevor eine Einschlagsgenehmigung erteilt wird. Wir sind stolz auf unsere Arbeit und unseren positiven Beitrag zur Artenvielfalt und Gesundheit der Wälder.

Kahlschläge sind in borealen Wäldern eine durchaus übliche und effiziente Methode der Waldverjüngung, die ständig weiterentwickelt und verbessert wird. Mit Kahlschlägen versucht man, die natürliche Waldverjüngung – die früher durch Waldbrände und Sturmereignisse erfolgte – nachzuahmen. Dies ist eine unserer Erntemethoden, die für eine gesunde Waldverjüngung sorgt. Bei der Holzernte werden stets die Schutzwerte der zu verjüngenden Wälder berücksichtigt.

Entwaldung findet in Schweden nicht statt, da für jeden geernteten Baum mindestens zwei neue gepflanzt werden. Schwedens Waldressourcen haben sich in der Zeit von 1930 bis 2018 verdoppelt. Nach dem schwedischen Forstgesetz ist der Waldeigentümer zur Wiederaufforstung verpflichtet.

Unsere Haltung zum FSC

Stora Enso fördert die Entwicklung von Forstzertifizierungsstandards und beteiligt sich dabei aktiv. Entgegen den in der Dokumentation vorgebrachten Behauptungen verfügt der FSC über ein strenges System zur Überprüfung und Förderung nachhaltiger Forstwirtschaft. Kein System ist vollkommen, doch anstatt wichtige, jahrzehntelang entwickelte Nachhaltigkeitsstandards zu diskreditieren, halten wir es für angebrachter, die Forstzertifizierung gemeinsam mit allen Stakeholdern durch nationale und regionale Prozesse weiter zu verbessern.

Wir begrüßen einen offenen Dialog zu diesen Fragen, und sind gerne bereit, zu zeigen, wie wir uns für nachhaltige Plantagen- und Waldbewirtschaftung einsetzen. Nachhaltige Forstwirtschaft garantiert gesunde und produktive Wälder, hilft beim Kampf gegen Erderwärmung, schützt die Artenvielfalt - und gewährleistet die langfristige Verfügbarkeit unseres erneuerbaren Rohstoffs Holz.

Noel Morrin
EVP, Sustainability

noel.morrin(a)storaenso.com

tel. +46 7307 68898

* Die FSC®-Logolizenznummer von Stora Enso Communications lautet: FSC-N001919.

Forest

Ein typisches Landschaftsbild im Bereich von Veracel, Bahía, vor der Anlage von Eukalyptusplantagen. Der ursprüngliche atlantische Regenwald wurde im Zeitraum zwischen 1960 und 1980 kahlgeschlagen, um Weideland für die Viehhaltung zu gewinnen.

Forest mosaic

“Veracel-Mosaik” aus Eukalyptusplantagen und unter Schutz gestelltem und wiederaufgeforsteten atlantischen Regenwald.

Noel Morrin

Noel Morrin

EVP Sustainability