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Unabhängige Buchläden florieren, da viele Menschen die Freude am Lesen wiederentdecken

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Während einige Sektoren der Einzelhandelswirtschaft aufgrund der weitreichenden Auswirkungen des Corona-Virus mit starken Turbulenzen zu kämpfen haben, erweisen sie sich für kleine Buchläden in Europa als Segen.

Eine Glastür mit blauem Rahmen in Berlins hippem Viertel Kreuzberg bildet den Eingang zur Otherland Buchhandlung, einem beliebten unabhängigen Buchladen, der auf Science Fiction, Fantasy und Horror spezialisiert ist und häufig den Hashtag #wirsindkeinalgorithmus verwendet. 

Die inflationäre Nutzung von Hashtags ist für manche sicherlich ein Ärgernis, aber hier steckt etwas anderes dahinter. Die Phrase gibt nämlich einen der Hauptgründe dafür wider, dass es vielen kleinen Buchläden in diesen herausfordernden Zeiten gut geht: die menschliche Note.   

„Große Einzelhändler setzen auf das, was sie am besten können: Preis und Schnelligkeit“, erklärt Wolfgang Tress, ein Otherland-Buchhändler mit dem Fachgebiet deutsch- und englischsprachige Science Fiction. „Bei Otherland bieten wir Persönlichkeit, Gespräch, Intuition und Erfahrung. Wenn wir einen Titel vorschlagen, haben wir ihn gelesen, und Sie wissen, wer ihn empfiehlt“, berichtet Tress. 
 
Diese persönliche Verbindung ist laut Tress einer der Hauptgründe dafür, dass das Geschäft von Otherland in den letzten zwei Jahren um 30 Prozent zugenommen hat.  

Der Erfolg sei auch der Tatsache zu verdanken, dass einige der deutschen Bundesländer wie Berlin Buchläden von Beginn der Pandemie an erlaubten, geöffnet zu bleiben, da das Lesen von Büchern als unverzichtbare Dienstleistung betrachtet wird, um das Wohlbefinden der Menschen aufrechtzuerhalten.  

„Wir und unsere KundInnen sind eine Gemeinschaft“, sagt Tress. „Mit uns per E-Mail, telefonisch oder persönlich im Otherland in Kontakt zu stehen ist wie der vertraute Umgang mit FreundInnen.“  

Physische Bücher gefragt 

Der Absatz physischer Bücher nahm im ersten Jahr der Pandemie, 2020, auf vielen Märkten zu, wie ein kürzlich erschienener BBC-Nachrichtenartikel feststellte. Die BBC berichtet, dass im Jahr 2020 allein in Großbritannien 202 Millionen Taschen- und Hardcover-Bücher verkauft wurden. Dies war seit 2012 das erste Mal, dass in diesem Bereich wieder die Absatzmarke von 200 Millionen Exemplaren überschritten wurde. Unterdessen wurden in den Vereinigte Staaten im vergangenen Jahr über 751 Millionen Bücher verkauft, die größte Zahl seit 2009.  

Infolge der Pandemie haben viele Menschen mehr Freizeit und finden Trost im gedruckten Wort.  

„Bücher entschleunigen und warten auf uns“, erläutert Tress. Und das ist etwas, das viele Menschen wiederentdecken, vor allem, wenn sie einen hektischen Tag online in der digitalen Welt verbracht haben. 

Bibliotherapie aus einem lokalen Buchladen 

Penelope Fletcher, Gründerin und Miteigentümerin des beliebten anglophonen Pariser Buchladens The Red Wheelbarrow, erklärt: „Buchläden in Frankreich sind wie Apotheken. Die Menschen gehen hinein und finden etwas Erbauliches oder etwas, das ihnen helfen kann, worin auch immer ihre Bedürfnisse bestehen.“ 

Das bedeutet, dass LeserInnen, wenn sie eine Problematik besser verstehen oder sich mit etwas auseinandersetzen wollen, beispielsweise wenn es um den Klimawandel geht oder darum, positive Schritte zu ergreifen, um das eigene Leben zu verändern, ihren lokalen Buchladen aufsuchen, sagt Fletcher.  

The Red Wheelbarrow wurde 2001 eröffnet und ist auf klassische und zeitgenössische Literatur, Gastronomie, Kinderbücher auf Französisch und Englisch, Gedichte, Geschichte und Politik spezialisiert.  

Wie Otherland konnte auch The Red Wheelbarrow, der 2018 im 6. Arrondissement, im Quartier Latin gegenüber dem Jardin du Luxembourg, wiedereröffnet wurde, während der ganzen Pandemie geöffnet bleiben.Darüber hinaus ist The Red Wheelbarrow gerade dabei, einen zweiten Buchladen in derselben Straße zu eröffnen 

„Zeitweise war zwar lediglich ein Abholdienst möglich, aber wir sorgten dennoch für eine menschliche Verbindung, einen Rettungsanker für viele Menschen, die gesellschaftlich isoliert waren“, erklärt Fletcher. Auf dem Höhepunkt der Pandemie händigte Fletcher den KundInnen Buchpakete durch die Ladentür aus oder lieferte sie persönlich aus – mithilfe ihres Fahrrads und eines großen Korbs. 
 
Fletcher nennt zahlreiche Gründe für die unterstützende Buchkultur in Frankreich, darunter das Loi relative au prix du livre, das Gesetz über Buchpreise, das im Jahr 1981 einen festen Preis für neue Bücher festlegte. 

Auch die Gemeinschaft ist einer der wichtigsten Gründe für den Erfolg von The Red Wheelbarrow, meint Fletcher.   

Als sie vor vielen Jahren ihren Buchladen aus persönlichen Gründen schloss, kam eine Gruppe von FreundInnen und KollegInnen m it zehn verschiedenen Partnern zusammen, um ihr zu helfen. Sie erinnert sich noch, wie sie zu ihr sagten: „Der Buchladen gehört nicht dir, sondern der Gemeinschaft.“ 

Märkte im Wandel und neue Lesekonzepte 

Die Festtage sind traditionell ein wichtiger Absatzzeitraum gewesen, der die Bilanz einiger kleiner Buchläden für das ganze Jahr fördern oder zunichte machen kann. Glücklicherweise trifft das nicht länger für alle zu, da die Menschen jetzt das ganze Jahr über mehr Titel lesen.  

„Früher erwirtschafteten wir einen großen Teil unserer Einnahmen in der Vorweihnachtszeit. Aber das hat sich geändert, auch schon vor der Pandemie. Das ist eine gute Sache, denn ein schlechtes Weihnachtsgeschäft ist jetzt nicht mehr so schlimm für Otherland“, erklärt Kress. 

Die globale Stimmung spiegelt sich in den Titeln und Genres wider, die aktuell bei Otherland im Trend liegen: „Wohlfühlbücher, um dem Alltag zu entfliehen, und Vorlagen erfolgreicher Kinofilme wie Frank Herberts Der Wüstenplanet und Isaac Asimovs Foundation-Romane“, berichtet Tress und ergänzt, dass Otherlands eigene Empfehlungen wie Ursula K. Le Guins Klassiker Die linke Hand der Dunkelheit schon lange auf der Top-Ten-Liste des Buchladens stehen.  

„Beliebt ist auch Kim Stanley Robinsons Das Ministerium für die Zukunft, eine schwere Lektüre über eine Zukunft in der Klimakrise, mit der wir konfrontiert sind“, fügt er hinzu. 

Ein beliebter Artikel des Ladens ist ein Überraschungsbuchpaket. Je nach Sprache (Deutsch oder Englisch), Vorlektüre, Lieblingstiteln und Budget stellt Otherland für die KundInnen eine kuratierte Auswahl zusammen. „Im ersten Lockdown verschickten wir wie verrückt Überraschungspakete, und sie sind immer noch Bestseller, die mehrmals wöchentlich bestellt werden“, erzählt Kress.  
 
Fletcher vom The Red Wheelbarrow in Paris berichtet, dass in sozialen Medien wie Bookstagram und TikTok empfohlene Titel die Kundenentscheidungen ebenso beeinflussen wie die mit großen Literaturpreisen ausgezeichneten Titel, darunter der Booker Prize, der Nobelpreis, der National Book Award und der Prix Goncourt. 

„Da die Menschen mehr Zeit zum Lesen haben, kehren viele auch zu den Klassikern von Dostojewski und Tolstoi oder zu Bestsellern wie Harry Potter zurück, die sie zuvor aus Zeitgründen nicht lesen konnten“, erklärt Fletcher.