Book open by bedside

Was macht eine gute Buchtitelseite aus?

Patrick Knowles ist Großbritanniens führender Buchdesigner. Er hat Buchtitelbilder für einige der größten Verlagshäuser des Landes gestaltet sowie Lettering- und Kalligrafiekunstwerke außerhalb des Verlagswesens für verschiedene Kunden produziert, darunter auch die Königliche Familie.

Patrick Knowles, Sie haben zahllose Bucheinbände gestaltet – ist einer davon Ihr Favorit? 

Es sind so viele gewesen! Einige waren wirklich erfolgreich, zum Beispiel die Ben-Aaronovitch-Serie „Rivers of London“, und der Schriftzug, den ich für die Titelseite gestaltet hatte, wurde ziemlich legendär. Das war unerwartet, weil es anfangs wirklich schwierig war, ihn richtig hinzubekommen. Wir mussten uns unglaublich anstrengen, um es zu schaffen. 

Oft wird gesagt, man solle ein Buch nie nach seinem Einband beurteilen – wie sehen Sie das? 

Ach, die Frage wird mir so oft gestellt! Als Buchdesigner neigen wir dazu, innerhalb eines Genres zu arbeiten, was heißt, dass wir einen Krimi anders aussehen lassen als ein Wörterbuch. In gewisser Hinsicht kann man also ein Buch einigermaßen nach seinem Einband beurteilen. Aber es gibt immer Bücher, die neue Wege gehen, und heutzutage durchbrechen Titelseiten häufiger die Klischees ihres Genres. 

Wie sehen Sie die Rolle der Titelseite im Leseerlebnis?  

Eine tolle Titelseite gibt einen Vorgeschmack des Buchs, ohne die gesamte Geschichte zu erzählen. Sie muss auch genau dazu passen. Wir kennen das alle, dass man sich nach der Lektüre des halben Buchs denkt: „das entspricht überhaupt nicht der Titelseite“. Gleichzeitig sollte das Titelseitendesign nicht zu wörtlich sein und einfach das Erzählte beschreiben: Es geht darum, eine reizvolle Verpackung zu gestalten. 

Welche Prozesse durchlaufen Sie, wenn Sie versuchen, die richtige Titelseite zu entwickeln? 

Die erste Frage, die ich mir stelle, betrifft den Markt. Titelseiten sind auch Verkaufswerkzeuge, und deshalb mache ich mich damit vertraut, was es momentan sonst noch in dem Genre auf dem Markt gibt. Das wird mir gewissermaßen ein Gefühl dafür geben. Als Nächstes halte ich einige erste Ideen fest, manchmal nur Skizzen auf Papier oder manchmal stärker ausgearbeitet am Computer. Mein Ziel ist es, dem Verlag eine Auswahl von Ideen zu geben, die dem aktuellen „Marktgefühl“ entsprechen und die meiner Meinung nach funktionieren werden. Dann beginnt die Feedbackphase. 

Sehen Sie jedes neue Projekt als Herausforderung? 

In hohem Maße – deshalb bleibt es auch wirklich interessant. Wenn ich beispielsweise nur mit Krimis arbeiten würde, dann könnte das ein bisschen langweilig sein, weil das Genre oft so optisch ähnlich ist: In gewisser Hinsicht erfindet man jedes Mal das Rad neu. Aber der Großteil meiner Arbeit ist sehr abwechslungsreich, und im Moment arbeite ich an einer historischen Romanreihe, dem Schriftzug für ein Kinderbuch, einem komplizierten viktorianischen Thriller – alles Mögliche, und jedes bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich. 

Macht die Papierqualität bei Buchtitelseiten einen Unterschied? 

Ja, durchaus. Die größten britischen Verlage neigen dazu, dieselben Druckereien und dieselbe Art von Material zu verwenden, aber sie experimentieren auch. Manchmal sieht man also Bücher mit ungewöhnlicheren Kartons und Oberflächen, was ihnen eine bestimmte Qualität verleiht. Das trifft vor allem dann zu, wenn mehr mit Haptik gearbeitet wird und das Buch eine bestimmte Struktur oder Oberfläche hat. Bei Kinderbüchern kann das Papier sehr wichtig sein – es kann großen Einfluss darauf haben, welchen Gesamteindruck das Buch vermittelt.  

Und an welcher Art von Buch arbeiten Sie am liebsten? 

Die interessanteren Projekte sind tendenziell diejenigen, bei denen ich eine Illustration für die Titelseite anfertige oder den Schriftzug mit der Hand zeichne, anstatt einfach nur ein Foto mit irgendeiner vorhandenen Schriftart zu versehen. Auf Krimititelseiten sieht man oft ein düsteres Foto von einer Gestalt, die sich in der Ferne verliert, aber ein Fantasy-Buch, von denen ich ziemlich viele gestaltet, neigt dazu, viel kreativer zu sein, und man kann damit originellere Dinge machen. 

Biography

Patrick Knowles

  • Erfahrener Buchdesigner und Illustrator, der für die meisten großen britischen Verlagshäuser tätig ist.
  • Er lebt in Hove an der Südwestküste Englands.
  • Zu seinen Kunden gehören Penguin, HarperCollins, Orion Group, Little Brown Group und Random House.
  • Arbeitet an den Titelseiten von belletristischen und Sachbüchern, Erwachsenen- und Kinderbüchern. Hat Einbände für Bestseller z. B. von Anthony Horowitz, Julian Fellowes und Kate Mosse gestaltet.

https://www.patrickknowlesdesign.co.uk/

In and out book cover
1 / 3
1. Große Schrift, die in das Bild hinein- und wieder herausfließt
Keyes book cover
2 / 3
2. Schlicht und auf das Notwendigste reduziert
Tight book cover
3 / 3
3. Enge Abstände und Retroschriften

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